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Anfrage nach § 9 (1) der GO für den Stadtrat Erfurt: Finanzielle Situation des Eissportzentrums

 19.06.2007 

A n t w o r t des Oberbürgermeisters

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
in Beantwortung der Stadtratsanfrage von Frau Hoyer verwiesen Sie mit Schreiben vom 4.5.2007 auf die zurückgehenden Einnahmeerlöse des Erfurter Eissportzentrums. Die sinkenden Besucherzahlen seien im Wesentlichen Ursache für den Einnahmerückgang. Aus dieser Antwort ist nicht genau zu erkennen, in welchem Umfang die Besucherzahlen zum Einnahmerückgang beigetragen haben. Neben der kommerziellen Nutzung der Halle für Großveranstaltungen außerhalb der Sportwettkämpfe, müssten Einnahmen ebenfalls aus der Vermietung einzelner Räume, Werbung, der Schlittschuhausleihe und der gastronomischen Bewirtschaftung des Hallenkomplexes in das Gesamtergebnis einfließen. Zur Finanzsituation im Eissportzentrum bitte ich um eine detaillierte Auflistung sämtlicher Einnahmen im Haushaltsjahr 2005 und 2006 sowie falls es für einzelne Bereiche längerfristige Vertragsbindungen gibt, eine inhaltliche Untersetzung dazu sowie die bestehenden Vertragslaufzeiten. Zu den Ausgaben bitte ich um eine differenzierte Auflistung der einzelnen Position inklusive der Personalkosten, Betriebskosten und Investitionskosten in den Jahren 2005 und 2006 (bitte getrennt nach Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle, „Kartoffelhalle“ und den sonstigen Räumen im Komplex auflisten).

Meine Fragen darüber hinaus sind:
1. Wurden die vertraglichen Leistung wie z.B. die gastronomische Versorgung, Bewirtschaftung der beiden Hallen, Aufsicht, Schlittschuhausleihe, Reinigung und andere Leistungen ausgeschrieben, falls nein mit welcher Begründung, falls ja wann und mit welchem Ergebnis?
2. Gibt es bezüglich der eigenverantwortlichen Nutzung der Sportstätten Verträge mit Sportvereinen der Stadt zur Nutzung des gesamten Hallenkomplexes (einschließlich der „Kartoffelhalle“), falls ja mit welchen Vereinen und sind davon Verträge aus Frage 1 berührt?
3. Ist es im Rahmen der eigenverantwortlichen Nutzung der Sportstätten technisch möglich die Betriebskosten der „Kartoffelhalle“ separat zu erfassen, um gegebenenfalls eine Nutzungskonzeption losgelöst von der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle umzusetzen?
4. Sehen Sie Möglichkeiten, einzelne Verträge aus Frage 1 neu auszuschreiben um die Einnahmesituation des Eissportzentrums zu verbessern?
5. Welche Investitionen sind in diesem und im nächsten Jahr im Eissportkomplex durch den Erfurter Sportbetrieb vorgesehen?
6. Welche Vereine neben dem ESC, dem Olympiastützpunkt und dem EHC nutzen regelmäßig mit vertraglicher Regelung und in welchem Umfang Trainingsmöglichkeiten im Eissportkomplex?
7. Wird in der kommenden Eissaison die Eisfläche der „Kartoffelhalle“ noch für das öffentliche Eislaufen benötigt?
8. Sehen Sie vor dem Hintergrund der Beantwortung der vorhergehenden Fragen die Möglichkeit, dass die „Kartoffelhalle“ unter Festschreibung des bisherigen finanziellen Betriebskostenzuschusses dem Eishockeyclub zur eigenverantwortlichen Nutzung und gegebenenfalls in eigene Trägerschaft übergeben wird?

Michael Panse Stadtrat


Sehr geehrter Herr Panse, bezüglich der Finanzsituation erhalten Sie in der Anlage 1 zu diesem Schreiben eine Auflistung der laufenden Einnahmen und Ausgaben im Wirtschaftsjahr 2005 und 2006. In Anlage 2 sind die Investitionskosten für 2005/2006 dargestellt. Die Aufsplittung der Kosten zwischen Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle und kleiner Eishockeyhalle erfolgen in Ermangelung der technisch-räumlichen und sachlich nicht begründbaren Trennung im Verhältnis von 75% zu 25%.
Grundsätzlich muss festgestellt werden, dass es sich bei der im Sprachgebrauch oft verächtlich genannten "Kartoffelhalle" um die kleine Eissporthalle handelt, in der neben Eishockey, leistungssportlich orientiert und gefördert Eiskunstlauf, sowie Eisstockschießen im Trainings- und Wettkampfbetrieb stattfinden.
In den letzten Jahren ist in Thüringen eine Konkurrenzsituation z.B. in Waltershausen, Ilmenau (bisher Zelt, ab 2007 Eissporthalle), Weimar, Greiz, Sonneberg entstanden, die unter kommerziellen Gesichtspunkten geplant wurden bzw. betrieben werden und die aufgrund weniger einschränkender Faktoren flexibler das entgeltpflichtige Publikumslaufen anbieten können.

Einnahmeverluste entstehen im Eissportzentrum neben bekannten objektiven Faktoren (z.B. allgemeine wirtschaftliche Lage, verändertes Freizeitverhalten etc.) vor allem dadurch, das in der Saison an fast jedem Wochenende Wettkämpfe im Eisschnelllaufen stattfinden und damit die 400m-Bahn (Alleinstellungsmerkmal in der Region) zu attraktivsten Zeiten ausfällt. Hier der ESB im Gespräch mit dem Thüringer Landesverband Eissport e.V., um punktuell eine zeitliche Verschiebung in die Vormittagszeit und allgemein eine Komprimierung der Wettkampftermine zu erzielen.

Nun zu den Fragen im Einzelnen:
zu 1.) Aufsicht, Reinigung, sowie die allgemeine Bewirtschaftung des Eissportzentrums werden vom Erfurter Sportbetrieb wahrgenommen. Schlittschuhausleihe und Imbissversorgung wurden im Sinne der Erzielung zusätzlicher Einnahmen zur Unterstützung des Nachwuchsleistungssportes mit mehrheitlichem politischem Willen 1996/2001 dem ESC vertraglich übergeben und mehrfach den aktuellen Bedingungen angepasst. Wegen "Unwirtschaftlichkeit" wurde der Pachtvertrag für die Imbissversorgung zum 30.09.2006 seitens des ESC aufgegeben und ist seitdem "zeitweise" zu den Heimspielen der Black-Dargons an die dem EHC nahestehende Sport-Eventmanagement Thüringen  GmbH (SET) vermietet. Darüber hinaus wird von der SET im Rahmen der saisonbedingten sich ändernden Zeiten für das Publikumslaufen ein Imbisswagen in der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle betrieben. Der Kassendienst (Saisongeschäft) ist seit der Saison 2004/2005 im Rahmen der üblichen Geschäftstätigkeit wechselnden Sicherheitsdiensten nach Einholung entsprechender Angebote übertragen worden.

zu 2.) Es gibt im sportlichen Bereich keine Verträge zur eigenverantwortlichen Nutzung des Eissportzentrums Erfurt mit Sportvereinen der Stadt Erfurt.

zu 3.) Es wäre technisch möglich die Koste für Elektro (Eiserzeugung), Wasser /Abwasser und Wärem separat zu erfassen. Hierzu ist der Einbau entsprechender Zähleinrichtungen und eine umfassende Neuinstallation von Leitungssystemen erforderlich. Aufgrund der einheitlichen Betriebsführung des ESB wurde dies bisher als nicht notwendig erachtet und war demzufolge auch nicht Gegenstand der 1995/96 und 2000/01 umfangreich getätigten Investitionen. Momentan wären nur die anteilig vergleichsweise geringen Kosten der Beleuchtung der alten Eishalle und die Eispflegen direkt zuorden- und damit abrechenbar.

zu 4.) Hier käme lediglich der Vertrag der Schlittschuhausleihe in Frage der im Rahmen der ordentlichen Kündigungsfristen beendet werden könnte. Da ber Mietzahlungen bisher terminlich erfolgen und der Fakt der Unterstützung bei der Einnahmeerzielung gemeinnütziger Sportvereine zur internen Verwendung, - z.B. im Nachwuchsleistungssport -, weiter unstrittig ist, sehe ich hierzu keine Veranlassung.
Die nur von innen und während der Betriebszeiten zugängliche Imbissversorgung (keine Gastronomie - nicht öffentlich) hat einen Saison-Vertrag, der sich momentan an der Eishockeysaiso orientiert. Die öffentliche Ausschreibung zum jeweiligen Saisonbeginn wäre denkbar. 

zu 5.) Für 2007 sind im Eissportzentrum folgende werterhaltende Maßnahmen vorgesehen:
-Holzbande instandsetzen, zusätzlich 2 Spielerbänke
- Ausstattung mit Netzen in den 4 Kurvenbereichen
- Außenbereich Eingang A neue Platten (optional)
Für 2008 sind im Eissportzentrum folgende werterhaltende Maßnahmen vorgesehen:
- Umbau EH-Bande nach Fetslegungrn durch die Eishockeybetriebsgesellschaft
- Umgang "alte Eishalle" erneuern
(Ersatz)Investitionen werden


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