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Anfrage nach § 9 (1) der GO für den Stadtrat der Landeshauptstadt Erfurt: Angebote der Volkshochschule Erfurt zu Graffiti
20.02.2008
A n t w o r t des Oberbrürgermeisters
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die Volkshochschule Erfurt (VHS) arbeitet auf Grundlage des Thüringer Erwachsenenbildungsgesetzes. Im Jahresprogramm der Volkshochschule Erfurt werden als Leitlinien unter anderem beschrieben: Die VHS hilft durch ihre Arbeit, Bildungsdefizite abzubauen, die Chancengleichheit unter den Menschen zu verbessern und als Stätte der Begegnung interkulturelles Verständnis und Kontakte herzustellen. Verschiedene Kursangebote sind jedoch im Jahresprogramm 2008 aufgeführt an der Umsetzung dieser Leitlinie Zweifel aufkommen lassen. Auf Seite 54 wird ein Kursangebot „Graffiti“ vorgestellt. Vor dem Hintergrund der zahlreichen illegalen Graffitis im Erfurter Stadtbild und der immensen Schäden an öffentlichen und privaten Gebäuden der Stadt Erfurt bitte ich Sie folgende Fragen zu beantworten:
1. An welchem Punkt sehen Sie eine Übereinstimmung mit den Leitlinien der VHS und dem beschriebenen Kursangebot?
2. An welche Zielgruppe wendet sich das Kursangebot?
3. Wie bewertete die Volkshochschul-Programmkonferenz dieses Angebot, welches bereits 2007 als Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs angeboten wurde?
4. In welchem Umfang wurden und werden die Strafbarkeit von illegalen Graffiti im Kurs behandelt und wird dazu auf die Erfahrung der diesbezüglichen Arbeitsgruppe der Erfurter Polizei zurückgegriffen?
Mit freundlichen Grüßen
Michael Panse, Stadtrat
Sehr geehrter Herr Panse,
recht herzlichen Dank für Ihre Anfrage zu den Angeboten der Volkshochschule (VHS) Erfurt "Fotourlaub...", "Felsklettern" und "Genusstour..." vom 24. Januar 2008. Sie haben nun zu einigen Kursen, welche bereits 2007 und den Vorjahren angeboten wurden und 2008 wieder den Kreativangeboten zuzuordnen sind, einige Nachfragen, die ich Ihnen hiermit gern beantworte:
zu 1. Die Volkshochschule Erfurt hat 2004 begonnen, sich einer Qualitätstestierung in der Weiterbildung zu stellen. Dazu gehörte, für die Einrichtung ein Leitbild zu erarbeiten. In dem Leitbild wird die Selbstbeschreibung der Einrichtung, ihre organisationale Identität (Corporate Identity) ausgedrückt. Das Leitbild muss von außen als Profil der Organisation erkennbar (ausgedrückt in den Leitlinien) und von innen erlebbar sein. Leitlinien sind systematisch entwickelte Aussagen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung.
Vor dem Hintergrund, dass im Herbstsemester 2003 die Gebührensatzung vorsah, dass auswärtige Teilnehmer eine höhere Hörergebühr zu zahlen haben als Erfurterinnen und Erfurter, sollten zukünftig die Unterrichtsorte nach Erfurt verlegt werden. Da die Verlegung des Kursortes nach Erfurt bei so speziellen Kursangeboten wie Klettern bzw. Watzmanntour nicht möglich ist, wurde durch die Programmkonferenz (siehe Antwort zu 2.) entschieden, die Kurse trotzdem im Programmangebot zu belassen. Die Teilnehmer wurden vor Beginn der eigentlichen Klettertour zu einer Informationsveranstaltung, die theoretische Kenntnisse, Informationen zur Grundausstattung, zur Verpflegung usw. beinhaltete, in die VHS Erfurt eingeladen. Erst danach wurden die weiteren Details festgelegt. D a die Teilnehmer aber auch eine Reihe ganz individueller Fragen haben, reagierte die VHS nach Absprache mit dem Dozenten mit der Bekanntgabe der Dozentendaten im Programmheft 2008. Da die Leitlinien eine Unterstützung der Arbeit der Volkshochschule darstellen, aber kein enges Korsett bilden, sehe ich keinen Widerspruch zum Angebot. Da das Leitbild einer Einrichtung einer ständigen Weiterentwicklung und Überprüfung bedarf, werde ich der VHS empfehlen, Ihren Hinweis dahingehend aufzunehmen, das Wort "ausschließlich" in "vorrangig" umzuwandeln. Ich danke Ihnen für diesen Hinweis.
Beim Kursangebot "Fotourlaub" handelt es sich nicht um einen eigenen Kurs der Volkshochschule Erfurt, sondern nur um einen Hinweis auf eine Veranstaltung, die von vielen Volkshochschulen deutschlandweit beworben wird. Daher sehe ich auch keinen Widerspruch zu den Leitlinien, sondern bediene nur Nachfragen von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Erfurt für solche Bildungsangebote. Deshalb befand die Programmkommission den Hinweis im Jahresprogramm als angemessen.
zu 2. Die Entscheidung über die Aufnahme der Kurse in das Jahresprogramm wurde durch die Programmkonferenz getroffen. Die Programmkonferenz setzt sich aus der Leitung der Volkshochschule, den Fachbereichsleitern/innen und zwei ehrenamtlichen Dozenten/innen zusammen und tagt kurz vor Beginn des Herbstsemesters der Volkshochschule. Auf Grundlage dieser Beschlüsse wird das Jahresprogramm von allen Beteiligten erstellt und mit dem Thüringer Volkshochschulverband (TVV) abgestimmt.
zu 3. Wenn es (wie unter der Antwort zu 1. beschrieben) ein attraktives Angebot für bzw. eine Nachfrage von Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt gibt, hat die Volkshochschule auch bisher mit Partnern zusammen gearbeitet. Die Volkshochschule ist nicht aus eigener Kraft in der Lage, alle Bereiche selbst abzudecken und im Einzelfall auf Partner bzw. die Bündelung der Interessenten über verschiedene Volkshochschulen angewiesen. Auch vor dem Hintergrund des Wegfalls einiger Personalstellen in der Volkshochschule müssen in diesem Bereich weiter neue Wege gegangen werden, wie dies auch in der Vergangenheit immer der Fall war. An dieser Stelle sei nur erwähnt, das die Volkshochschule in den letzten 10 Jahren von 17 auf 8,5 VbE im Mitarbeiterbereich reduziert wurde. Durch rückläufige Fördermittel z.B. in der Landesförderung oder durch wegfallende Teilnehmer auf Grund zu hoher Gebühren ist die Volkshochschule ständig bemüht, neue Wege bei der Erschließung von Bildunsgangeboten und bei der Suche nach Netzwerkpartnern zu gehen. Dabei ist das Netzwerk der deutschen Volkshochschule ein wichtiger Betsandteil unserer Arbeit.
zu 4. 2007 haben keine Erfurter Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Angebot gebucht.
zu 5. Der Volkshochschule sind durch diesen Hinweis auf den Fotourlaub auf Großsegelschiffen keine Kosten entstanden. Die Einnahmen aus dem Veröffentlichungshonorar leisten einen Beitrag zur Finanzierung des Jahresprogrammes. Dies war auch Mitte dieses Jahrzehnts der Grund für die Leitung der Volkshochschule und die Programmkommission, diese Information in das Jahresprogramm aufzunehmen. Entsprechend der Vereinbarung mit dem Anbieter erhält die VHS ein Veröffentlichungshonorar von 25,00 € pro Teilnehmer 2008, wenn er sich auf das Programmheft hin meldet. Für 2005 waren dies zwei Teilnehmer (50,00 €) und für 2006 drei Teilnehmer (75,00 €). Leider wurde das Angebot 2007 nicht nachgefragt.
zu 6. Für den Fotourlaub auf Großsegelschiffen werden keine Honorare gezahlt. Für alle anderen Kurse ist für 2007 - 2008 eine entsprechende Tabelle beigefügt (kann über mein Büro bezogen werden). Die durchgeführten Kurse leisten einen wichtigen Beitrag für die Einnahmen der Volkshochschule. ... Gern steht Ihnen der leiter der Volkshochschule für ausführliche Informationen zur Verfügung.
Mit freundlcihen Grüßen
A. Bausewein
Ihre Anfrage zu Angeboten der Volkshochschule Erfurt (VHS) zum Thema Graffiti möchte ich wie folgt beantworten:
zu 1. Das Kursangebot soll Bürgerinnen und Bürgern mit gleichem Interesse Wissen über die Kunstform Graffiti und über verschiedene Stilrichtungen vermitteln. Damit werden Bildungsdefizite in der Bevölkerung abgebaut. Wir erhoffen uns, dass sich zum Kurs auch Bürgerinnen und Bürger anmelden, die sich erstmals mit dieser Kunstform auseinander setzen möchten. Wir wollen den Interessenten Möglichkeiten eröffnen, sich künstlerisch auszudrücken und über ihre Kunst ins Gespräch zu kommen. Dabei sehen wir die Volkshochschule als Begegnungsstätte für Menschen mit gleichem Interesse. Der Gleichsetzung von Graffiti mit strafrechtlich relevantem Verhalten soll dabei offensiv begegnet werden. Mit diesem Angebot wird eine Möglichkeit für Interessenten geschaffen, sich auf legalem Weg dieser Kunstform zu widmen. Damit wird gerade dem Problem der illegalen Graffiti und der damit entstehenden Schäden entgegengewirkt. Auch in der Landeshauptstadt Erfurt existiert ein Graffiti-Verein. Der Vorsitzende, Dieter Hennig, war einige Jahre Dozent an der Erfurter Volkshochschule. Als Ansprechpartner für Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellt er eine Plattform dar, um illegales strafbares Handeln zu verhindern. Die Graffiti in der Thälmannstraße und Tromsdorffstraße sowie die Werke entlang des Helios Klinikums Erfurt machen dabei klar, dass es sich um Kunst im öffentlichen Raum handelt, welche das Stadtbild positiv prägt.
zu 2. Das Kursangebot richtet sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger jeden Alters.
zu 3. Die Volkshochschul-Programmkonferenz war der Ansicht, dass das Thema Graffiti als moderne Kunstform auch in der VHS vermittelt werden sollte. Hierbei soll in einem Kurs auf bekannte Graffiti-Künstler wie Keith Haring oder Jean-Michel Basquiat eingegegangen werden. Die Tradition der Graffiti in der abstrakten Malerei, der Kalligraphie und Comic-Ästhetik soll dargestellt werden. Wie weit die gesellschaftliche Anerkennung von künstlerischem Graffiti schon gediehen ist, zeigt etwa der Umstand, dass in Wien im März 2006 eine Straße von der Stadtverwaltung offiziell in Graffitistraße umbenannt worden ist.
zu. Es wird in einer theoretischen Einführung in das Thema auch auf die Strafbarkeit von illegalem Graffiti hingewiesen, um die Teilnehmer zu sensibilisieren. Eine Zusammenarbeit mit der Erfurter Polizei ist nicht vorgesehen, da im Vordergrund die Kunstform Graffiti stehen soll. Gern nimmt die VHS Ihren Hinweis auf und wird mit der Arbeitsgruppe der Erfurter Polizei Kontakt aufnehmen. Im Jahr 2007 kam der Kurs aufgrund fehlender Teilnehmerzhlen nicht zustande.
Mit freundlichen Grüßen A. Bausewein
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