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Finnische Erfahrung: Wichtigster Satz aus den Gesprächen: Wir vertrauen den Eltern einfach

 19.05.2008 

"Wahlfreiheit und die Anerkennung häuslicher Betreuung und Erziehung sind in Finnland in einer Weise verwirklicht, wie wir uns das für Deutschland nur wünschen können." So lautet das Fazit des sozialpolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Michael Panse, zur gestern zu Ende gegangenen Informationsreise des Landtagsbildungsausschusses nach Finnland. Den Eltern wird nach seinen Worten Vertrauen entgegengebracht, statt ihnen, wie bei Thüringens Oppositionsfraktionen verbreitet, Fürsorglichkeit und Kompetenz abzusprechen.

Panse hält es für "bemerkenswert", dass Finnland mit einem ausgebauten Betreuungsgeldsystem und vergleichsweise niedrigen Besuchsquoten in den Kindertagesstätten dennoch immer wieder zu den PISA-Siegern gehört. "An der These, dass nur durch den möglichst frühen Kita-Besuch Bildungs-und Lebenschancen gesichert werden, kann also offensichtlich etwas nicht stimmen", sagte der Politiker. Die Fakten zum Weg der Kinder durch die Vorschuljahre liegen laut Panse "quer zu den von der LINKEN und der SPD immer wieder propagierten staatsfixierten Vorstellungen."

In den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder erhalten die Eltern ein monatliches Betreuungsgeld von mindestens 294,28 €, das durch Geschwisterboni und am Vorverdienst orientierte Zuschläge noch steigen kann. Ein reduzierter Satz wird bis zur Einschulung mit 7 Jahren gezahlt. "Die Summen entsprechen etwa der kommunalen Fördersumme für einen Kita-Platz und werden nur an Eltern gezahlt, die sich für die häusliche Erziehung entscheiden", erläutert Panse. Im Bildungsministerium sei dies ausdrücklich als "Belohnung für Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen", bezeichnet worden.

Aufschluss über die weitere Entwicklung des Betreuungsgelds gab nach Angaben des Erfurter Abgeordneten ein Gespräch mit der Vorsitzenden des Bildungsausschusses im Finnischen Reichstag, Raija Vahasalo (Sammlungspartei). Laut Panse sagte Vahasalo: "Das finnische Betreuungsgeld wird in der Grundausstattung vom Staat bezahlt. Es ist aber zu niedrig. Deshalb zahlen die Kommunen zukünftig noch eigene Zuschläge, um die häusliche Betreuung für Kinder unter sechs Jahren attraktiver zu machen." Die Ganztagsbetreuungsquote schwankt in Finnland zwischen 1,4 % im 1. und 73 % im 6. Lebensjahr. Die so genannte Vorschule im letzten Jahr vor der Einschulung nutzen nach seinen Angaben 96 % der Kinder.

Wie der Sozial- und Familienpolitiker abschließend sagte, "beeinträchtigt dieses finnische Modell offensichtlich weder Kinder noch Mütter in ihren Entwicklungschancen. 47 % der Berufstätigen in Finnland sind Frauen. Wohltuend ist, dass Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen und erziehen, vom Staat unterstützt und keineswegs gesellschaftlich diskreditiert werden. Das wünsche ich mir auch für Deutschland. Der wichtigste Satz, den ich in Finnland gehört habe, lautet: Wir vertrauen unseren Eltern einfach."
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